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Aalto Mono – ein Interview mit Rich Holland


Im Sommer 2026 entstand im Rahmen von FORM Skateboarding in Laax eine neue Arbeit von Rich Holland: Aalto Mono, eine aus Holz gefertigte Skulptur, die sich mit der Formensprache und dem Prinzip der bekannten Aalto-Skulptur in Helsinki auseinandersetzt. Über zwei Wochen arbeitete Holland vor Ort an der Skulptur und entwickelte dabei eine eigenständige, skaterisch gedachte Weiterführung des ursprünglichen Entwurfs. Ausgehend von der Architektur und Formensprache Alvar Aaltos verbindet Aalto Mono Holz, Bewegung und Skateboarding zu einem skulpturalen Objekt. Im Gespräch erzählt Rich Holland von der Entstehung der Arbeit, dem Arbeiten mit Holz und davon, wie aus einer bestehenden Form eine neue Idee entstehen kann.


Rich, du hast deine Skulptur „Aalto Mono“ genannt und beschreibst sie als eine Variante,die damit experimentiert, Skateboarding, Spiel und Bewegung durch Form auszudrücken. Du weist darauf hin, dass ihre komplexe Geometrie vielfältige, einzigartige Nutzungen durch alle möglichen Interaktionen ermöglicht: Genießen, spielen, betrachten, gleiten, skaten, rollen, springen, klettern und überhaupt sie auf eigene Weise zu entdecken - auch mit dem Skateboard. Könntest du uns erzählen in welcher Beziehung du zum Skateboarden stehst und wie dich das zum Design und zur Kunst geführt hat?

Als Kind habe ich ständig Dinge auseinandergenommen und etwas Neues gebaut. Als dann in den späten 90er-Jahren das Skateboarden zu meiner Leidenschaft bzw. Obsession wurde, gab es so gut wie keine spezielle Skateboard-Infrastruktur. Es gab keine Skateparks in der Nähe und schon gar nichts Vergleichbares zu dem, was man hier in Laax hat. Das bedeutete, dass man immer versuchte, aus allem, was man auf Baustellen, Parkplätzen oder sonst wo finden konnte, irgendwie etwas zusammenzubasteln! Während meines Grafikdesign-Studiums an der Hochschule und nach meinem Master-Abschluss gründeten meine Partnerin Marije, einige Freunde und ich eine Kreativagentur; das Bewusstsein für Design und Kunst war Teil unseres Alltags. Die Liebe zum Skateboarden, zum Gestalten und zum Basteln verschmolz gewissermaßen, als wir Ideen für Werke zusammenbrachten, die zunächst durch die Kollektivausstellungen von „The Side Effects of Urethane“ vom Skateboarden inspiriert wurden und sich darüber hinaus zu etwas entwickelten, das ich nun weltweit entwerfen und gestalten darf – eine Ehre und ein Privileg für mich.



Was die Entstehung von „Aalto Mono“ betrifft, sticht eine Sache besonders hervor: Bei deiner Arbeit kam keine digitale Unterstützung wie CAD oder CNC-geschnittene Fertigteile zum Einsatz – es wurde vollständig von Hand mit Werkzeugen aus der Laaxer Holzwerkstatt gebaut. Das bedeutete, dass die komplexe Form während des Prozesses Anpassungen erforderte. Und diese kleinen Anpassungen ließen die Form sich von der ursprünglich vorgesehenen in etwas Ungeplantes verwandeln. Das wäre nicht passiert, wenn eine Maschine das Design vorgefertigt hätte. Wie schätzt du die Bedeutung solcher prozessorientierten Entscheidungen ein, die das Ergebnis beeinflussen? Hat das etwas mit Skateboarden zu tun?

Ich liebe es, dass es ein bisschen ad hoc ist und während des Baus angepasst und feinabgestimmt wird. Also ja, für mich ist der Prozess irgendwie so, wie man ein Objekt skatet; man ist sich nie sicher, wie es laufen wird, bis man es tut. Je öfter man es macht, desto besser wird der Prozess, und das Ergebnis wird durch den Prozess bestimmt. Natürlich handelt es sich hier nicht um kommerzielle Skatepark-Bauvorhaben. Es ist nicht „perfekt“, technisch ausgefeilt oder kommerziell hergestellt, sondern eher wie DIY. Für mich kommt hier die Kunst ins Spiel, und die Unvollkommenheiten machen es menschlicher – und ich denke, davon brauchen wir heutzutage ein bisschen mehr in der Welt.



Es ist nicht das erste Mal, dass du befahrbare Skulpturen im öffentlichen Raum aufstellst. Deine Arbeiten sind in Städten wie Malmö, Paris, Madrid, Stuttgart oder Southampton zu finden. Jetzt, da wir dein Werk mitten auf dem Laax Snakerun sehen können, wirkt es weniger wie ein Stück Kunst im öffentlichen Raum, sondern eher wie eine Skulptur auf einem Spielplatz. Dennoch lässt sich die Form nicht einfach als Rutsche oder als Erweiterung eines Skateparks verstehen. Ihre markante Form und ihre Größe scheinen durch ihre offensichtliche Eigenschaft als modernes Kunstwerk eine Brücke in eine andere Art von Raum zu schlagen. Wie wirkt sich die Wahl des Standorts auf deine Arbeit aus?

Oft bestimmen Standorte zwar, wofür ein Objekt im Raum genutzt wird, aber das Spiel mit dem Kontrast dieser Aspekte verleiht dem Kontext eine noch größere Bedeutung. Mir gefällt die Vorstellung, dass erst durch eine Interaktion mit der Form ihr Zweck definiert wird. Die Form ist vom Skateboarden inspiriert, und wenn ich sie betrachte, sehe ich Bewegungsabläufe und kann mir vorstellen, was ich gerne darauf machen würde, Ein Kind aber sieht vielleicht die Möglichkeit, darauf zu klettern und darüber zu rutschen, oder jemand anderes sieht darin einen schönen Ort, um sich hinzusetzen und die Welt zu beobachten!



Wir werden sehen was alles passieren wird. Auch wohin es mit deiner Skulptur nach diesem Herbst weitergeht. Da gibt es doch ein paar Möglichkeiten, oder?

Ich würde es toll finden, wenn die Skulptur auf den Berg in den Schnee käme und dann über Laax hinaus an einen öffentlichen Ort in Zürich, zum Beispiel. Aber ich bin mir nicht sicher, wie sie bestehen wird, da die Bedingungen in Laax so extrem sind. Ein Teil von mir möchte, dass sie stabiler wird, also könnte es vielleicht helfen, sie mit einem festeren Material zu überziehen. Mal sehen, wie sie sich in der Umgebung bewährt.




Rich Holland

2031 WL Haarlem (NL)

Program Director of Creative Media

Rich Holland ist ein britischer Designer, Kreativdirektor und Künstler, der an der Schnittstelle von Kommunikation, Architektur, Skulptur und Skateboarding arbeitet. Er studierte Kommunikationsdesign und war Mitbegründer des Kreativstudios Bullet Creative, bevor er 2010 gemeinsam mit Marije de Haas das multidisziplinäre Studio Floda31 gründete. Seine Arbeiten reichen von grafischem und digitalem Design über Architektur und interaktive Installationen bis hin zu skatetauglichen Skulpturen und öffentlichen Räumen. Bereits seit 2001 beschäftigt er sich mit der Verbindung von Skateboarding, Architektur und Kunst, zunächst im Kollektiv The Side Effects of Urethane. Zu seinen Projekten gehören unter anderem das Skate Landscape am europäischen Nike-Hauptsitz in Hilversum sowie Arbeiten und Ausstellungen für Institutionen und Marken wie das Van Gogh Museum, Nike, Adidas und Converse. Neben seiner gestalterischen Praxis ist Holland in der Lehre tätig und ist Programme Director des Bachelorstudiengangs Creative Media an der SRH Haarlem University of Applied Sciences. Im Sommer 2026 entwarf er im Rahmen von Form Skateboarding eine neue Skulptur, die im Dezember 2026 in der Lokremise in Chur präsentiert wird. Seine Arbeit verbindet dabei Gestaltung und räumliche Intervention mit der Frage, wie Skateboarding Architektur und öffentlichen Raum neu erfahrbar machen kann.

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